Sie haben es geschafft!
Februar 26th, 2012In den letzten zehn Jahren ist unsere Formel von Tanzmusik eigentlich fast immer aufgegangen. Wenn ich einschränkend „fast“ immer schreibe, meine ich einen Schützenball, bei dem wir grandios gescheitert sind und leider muss ich auch den Ball des Lions Club Bremerhaven am vorletzten Samstag im Atlantic-Hotel „Sail City“ einbeziehen. Aber lest selbst:
Sie haben es geschafft! Beim gesellschaftlich angesehensten Ball der Stadt Bremerhaven die Gäste mit überdosierter Lautstärke aus dem Saal herausgespielt zu haben – Ihre Sängerin mit unpassendem Outfit. Schade!
MfG Volker Holm
Präsident Rotary Club Bremerhaven Nordsee

Volker Holm ist in Bremerhaven ein durchaus bedeutender Mann, wie man im Internet nachlesen kann:
Dabei hatte es so gut angefangen. Bereits beim ersten Titel, „The Lion sleeps tonight“, den wir eigens zu diesem Anlass eingeprobt hatten, war die Tanzfläche prall gefüllt. Das setzte sich nach dem Essen fort. Den ersten Dämpfer erfuhren wir gegen 23:40 Uhr bei Kate Perrys „California gurls“. Niemand, ich wiederhole „NIEMAND“ tanzte. Offen gestanden ist das für mich unverständlich. Warum wird ein Lied als Tanzmusik komplett abgelehnt? Das könnte sein, weil es nicht tanzbar ist, zum Beispiel bei ungeraden Takten. Zu einem 7/8tel-Song zu tanzen ist nicht jedermanns Sache. Vielleicht ist aber auch der Rhythmus zu kompliziert, wie etwa bei schnellen synkopierten Grooves. Möglicherweise spielt die Band aber auch einen Tanz, den das Publikum nicht beherrscht. Beim Tango haben die meisten Alltagstänzer Schwierigkeiten, selbst beim langsamen Walzer haben viele ein Problem. Ich persönlich hasse zum Beispiel Jive. Es gibt Titel, die nicht darauf ausgelegt sind, als Tanzmusik gespielt zu werden. Nehmen wir etwa „Bohemian Rhapsody“, wobei ich mich erinnere, das wir selbst den schon einmal erfolgreich bei einer Tanzveranstaltung – dem großartigen Ball der Wirtschaftsjunioren - präsentiert haben. Komplett unbekannte Stücke sollte man als Band auch nicht spielen. Aber Leute, „California gurls“!! Das ist Dancefloor pur! Derartige Überlegungen bringen uns aber nicht weiter. Fakt ist: Keiner hat getanzt! Punkt!
Also haben wir nach dem ersten Refrain abgebrochen und nach einer gemurmelten Entschuldigung einen langsamen Walzer gespielt – „If you don’t know me by now“. Die folgenden Titel wurden dann wieder gut angenommen, bis uns besagter Herr Holm gegen ein Uhr die obige Botschaft zukommen ließ, als wir gerade „Ladies Night“ von Kool & the Gang zu Besten gaben, was er ganz augenscheinlich auch total Kacke fand.
Eigentlich hatte sich das Desaster angekündigt. Bereits beim Empfang fiel ein bemerkenswerter Alterskontrast auf. Relativ viele junge Gäste, noch mehr ältere Gäste und erstaunlich wenig „Best Ager“.
Diana und ich hatten ein Gespräch mit einen sehr sympathischen älteren Ehepaar. Ob wir den auch die klassische Tanzmusik spielen würden? „Lieder, nach den man tanzen kann, wenn man tanzen kann?“ Was für ein geiler Satz.
„Ja, aber mit Einschränkungen. Wir sind keine konventionelle Tanzband!“ Dem Veranstalter sei unser „Produkt“ ja bekannt, denn wir hätten bereits einmal an gleicher Stelle für den Lions Club gespielt.
Der ältere Herr schien bereits besorgt. Vor Vertragsabschluss habe der „Clubmaster“ aber doch bestimmt die Anforderungen der Veranstaltung beschrieben, dass zum Beispiel auch einmal ein „Slow Fox“ gespielt würde.
Ob die Herrschaften uns denn noch nie gehört hätten?, fragte Diana. Nein, man gehe eher selten aus, sie und vor allem ihr Mann könnten nicht tanzen.
Was soll man dazu noch sagen?
Die Kritik von Volker Holm ist berechtigt, aber sie trifft nicht den Kern.

Dianas Kleidung war unpassend, aber das ist ebenso zweitrangig wie der Umstand, dass man als Band Gäste einer derartigen Veranstaltung nicht einfach duzt, wie wir es getan haben. Und was die Lautstärke anbelangt, irrt Herr Holm. Das war nicht der „Kasus knactus“. Klar, eine siebenköpfige Band macht einen gewissen Druck, aber Lautstärke kann man regeln. Dazu bedarf es nur eines kurzen Hinweises des Veranstalters.
Ich würde Herrn Holm auch nicht zustimmen, wenn er vom „gesellschaftlich angesehensten Ball“ spricht. Herr Holm verwechselt an dieser Stelle zweifellos „gesellschaftlich“ mit „elitär“. Wobei ich der Gesellschaft Unrecht tun würde, wenn ich die Meinung von Herrn Holm pauschal allen Gästen unterstellen würde. 98% seien zufrieden gewesen, meinte der Veranstalter. Das war nett, aber ich nehme es ihm nicht ab. Tatsache ist, dass Dianas Outfit unser Problem symbolisierte. Wir waren inkompatibel mit dem Anspruch und dem Geschmack der Gäste, wie im Übrigen das letzte Lied des Abends, das wir auf ausdrücklichen Wunsch eines Gastes spielten, belegt: „Ein Stern“, von DJ Ötzi. Schade!
























